Delphi und Meteora

Diese Nacht konnte ich nicht wirklich schlafen. Ich vermute das Feuerwasser sorgte dafür, dass mein Kopf nicht zur Ruhe kam. Als gegen 6Uhr der Wecker klingelte war ich eigentlich ganz froh – obwohl ich gerade erst eingeschlafen war.

Tagesziel heute: Delphi besichtigen und dann nach Meteora bzw. Kalabaka weiter reisen.
An der Rezeption war beim Checkout ein neuer Mitarbeiter. Ich fragte nach dem Weg zum Busterminal für den Bus nach Delphi und er hatte einen einfacheren Weg vorgeschlagen. “Fahr mit der Bahn bis Kato Patissia und lauf dann noch 5-7Min zu Fuß. Easy” Ok. Das klang gut und so machte ich mich auf den Weg. Unterwegs schnappte ich mir noch etwas zum Frühstücken und saß kurz darauf in der Metro. In Kato Patissia angekommen änderte sich das Bild, denn die KTEL Station war nirgends ausgeschildert. Eine ältere Dame hörte mich herum fragen und nam sich meiner an. Sie wollte auch zu einem Bus, jedoch vermutet ich, dass es nicht der selbe war. Langsam drängte die Zeit und ich wurde nervös. Die Dame schlug dann vor, dass ich ein Taxi nehmen sollte. Das tat ich und der Fahrer brachte mich noch rechtzeitig zum Terminal. Ich konnte noch sehen, wie er kurz vor Ankunft den Tarif auf “Nacht” änderte und so der Preis von 2,5EUR auf 4EUR stieg, aber für Streit hatte ich keine Zeit. Es bestätigt nur den schlechten Ruf den Athener Taxifahrer haben. Ich spurtete hinein kaufte ein Ticket für 16EUR und kam gerade noch rechtzeitig zur Plattform um den Bus zu erreichen.

Die Fahrt verlief recht angenehm, da der Bus (!) über WLAN verfügte. Nebenbei: So ziemlich jeder Ort in Griechenland wo mehr als 5 Personen gleichzeitig sind hat WLAN Zugang. Angekommen in Delphi fragte ich direkt erstmal nach Anschlussmöglichkeiten – und wurde böse überrascht. Der einzige Bus nach Meteora an diesem Tag war bereits weg, der nächste geht erst morgen Nachmittag – Ankunft am Abend. Ich hielt das erst für einen schlechten Scherz – eine Masche um den ahnungslosen Touri zu einer Übernachtung zu bewegen. Ich verstand den Stationsleiter da so, dass keine weiteren Busse fahren würden. Das konnte nicht stimmen, denn 3h nach meinem Bus fuhr der nächste aus Athen ein. Ich war verwirrt und stellte erstmal meinen großen Rucksack in der Bus-Station, welche in einem Restaurant untergebracht war, unter und ging dann ins Heiligtum von Delphi. Vielleicht konnte das Orakel ja weiterhelfen. Ich nahm mir vor in 3h zurück zu sein um im Notfall mit dem Bus einfach nur aus Delphi zu verschwinden.

Das Ticket kostete mich 12EUR und galt für Grabungsstätte und Museum. Da das Wetter stabil aussah ging ich zuerst in die Grabungsstätte. Die Anlage des Orakels von Delphi liegt an einem steilen Berghang in einer spektakulären Schlucht von der aus man das Meer sieht. Vom Eingang führt der Weg hinauf. Ich rechnete fest mit einem Regenschauer (Regenwahrscheinlichkeit: 50%), deshalb wollte ich möglichst schnell zum höchsten Punkt gelangen um dann auf dem Weg hinunter die wichtigen und schönen Ansichten zu fotografieren. Es ging also schnell die heilige Straße hinauf an der zu beiden Seiten Anlagen standen, welche die verschiedenen Staaten des Antiken Griechenlands dem Orakel gestiftet hatten. So stand wohl einst auch eine Nachbildung des Trojanischen Pferdes als Andenken an die Gewonnene Schlacht von Troja in an dieser Straße. Weiter oben an der Straße erhebt sich sehr auffällig das noch stehende Schatzhaus der Stadt Athen. Aus heutiger Sicht bezeichnend: Es ist natürlich leer. 😉
Dann lag zur Linken der Apollo-Tempel, das frühere Herz der Anlage und vermuteter Sitz des Orakels. Der Tempel liegt in Trümmern und man kann die Größe und den Eindruck so nur schwer einschätzen. Oberhalb des Tempels liegt das Theater was sehr gut erhalten ist. Doch der Weg führt weiter. Am obersten Ende der Anlage soll ein Stadion liegen. Und tatsächlich. Nach ca. 15-20 Minuten Aufstieg findet man ein hervorragend erhaltenes Stadion. Man sieht die U-Förmigen Tribünen entlang der klassischen Laufstrecke von ca. 175m, man sieht das Eingangsportal der Läufer am Kopfende, die Startblöcke und den Zieleinlauf (Steinere Säulen zwischen denen wohl Bänder gespannt waren).
Von hier ab, das Wetter hatte gehalten, lief ich nun wieder etwas ruhiger hinunter und versuchte die Szenerie einzufangen. Die Berge ragen riesig, einige hundert Meter, über die Stätte auf.
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Nach ca. 1,5h verließ ich die Stätte und ging zum Museum. Das Museum ist nicht sehr groß, jedoch sind die Stücke doch beachtlich – und man darf fotografieren. Ich erwischte eine deutsche Tour durchs Museum und hörte eine Weile zu bevor ich weiter ging.
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Rechtzeitig bevor der Bus kommen sollte war ich aus dem Museum. Ich hatte sogar noch genug Zeit mir etwas zu Essen zu besorgen. Dabei recherchierte ich die Verbindungen und fand Kommentare anderer, gescheiterter Reisende. Es gab wirklich heute keinen Bus mehr Richtung Norden. Einzig Sinnvolle Alternative wäre 3h später den Bus zurück nach Athen zu nehmen und von dort aus neu zu planen. Das gab mir Zeit die etwas abgelegeneren Teile von Delphi zu besichtigen. Das Gymnasium (Sportplatz zum Trainieren) war gesperrt, jedoch was das Heiligtum der Athene zugänglich.
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Von dort aus fand ich auf dem weg zurück einen abgesperrten Weg, stieg über ein niedrig hängendes Seil und war auf dem Sportplatz. Die Anlage war fertig für Touristen ausgelegt jedoch zugewachsen – aus welchen Gründen auch immer. Ich machte Fotos vom Swimming-Pool und der Laufstrecke mit Säulengang. Dann schnallte ich den Rucksack fest und unternahm einen kurzen Sprint auf der Laufstrecke. Ich kann also behaupten mich in Delphi in den alten Anlagen sportlich betätigt zu haben.
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Ich lief dann zur Busstation zurück, nicht ohne zu versuchen bei den zahllosen Reisebussen eine Mitnahme gen Norden zu organisieren – leider erfolglos. Eine Reiseführerin fragte bei ihrer Gesellschaft nach, die ließen mich aber abblitzen. Also ging es zurück nach Athen.

In Athen angekommen stiegen plötzlich viele Mitfahrer aus noch bevor das Terminal erreicht war. Mir kam das komisch vor, denn nur die Touristen blieben im Bus. Ich hielt den Kopf raus, denn ich vermutete, dass hier eine Metrostation sein könnte. Und so war es. Ein Grieche sagte mir ich solle hier raus, ca. 100m geradeaus sei die Metro. Überstürzt verließ ich den Bus und überzeugte noch einen Japaner mit zu kommen. Das Busterminal liegt ja doch recht abseits. Ich verließ den Bus so überstürtzt, dass ich zurück sprinten musste um noch schnell meinen Pullover (sehr wichtig bei den Temperaturschwankungen) zu bergen. Tatsächlich fanden wir die Metro und ersparten uns so gut 15Minuten Fußweg.

Ich fuhr dann nicht zu meinem Hotel sondern zum Athens Backpackers Hostel. Das Bett sollte so 18EUR kosten laut Hostelworld. Dort angekommen kostet das Bett leider 25EUR. Hätte ich doch online gebucht… Die schlechten Nachrichten sollten aber noch kommen. Der Chef des Hostels eröffnete mir, dass heute Nachmittag die Gewerkschaft überraschend einen 48h Streik der Verkehrsbetriebe angekündigt hatte. Er sagte mir, dass ich davon ausgehen könnte, dass morgen die Stadt still stehen wird. Ich solle morgen früh schnellst möglich, zur Not auch mit einem Taxi, aus der Stadt verschwinden, sonst sitzt man noch länger fest. Ich erörterte mit ihm verschiedene Szenarien. Auf die Inseln zu verschwinden ist wohl die beste. Meteora wird also auf das Ende der Reise verschoben. Das würde jedoch bedeuten, dass ich morgen früh gegen 6:20 Uhr das Hotel mit einem Taxi – was nicht billig wird – gegen Piräus verlassen muss um dann die erste Fähre nach…hmmm
Mykonos wollte er mir nicht empfehlen – außer ich möchte gern Party machen. Als Feierbiest bin ich ja nicht bekannt. Naxos sei Ok. Santonrini eine Reise wert. Also wird es wohl Santorini. Wie es von da aus weiter geht weiß ich noch nicht.

Ich fragte ihn dann noch nach einer Essensmöglichkeit. Er gab mir die Karte eines Restaurants und schrieb seinen Namen darauf. Mit diesem Restaurant (gegenüber dem Akropolismuseum) währe abgesprochen, dass es eine große Platte mit verschiedenen Gerichten + Getränk für 10EUR gäbe. Das nahm ich gern war. Als positiver Abschluss des hervorragenden Essens, goss der Kellner mir nochmal Wein aus einer Karaffe nach weil ich ja ein VIP Gast sei. (Ich vermute die Karaffe war von anderen Gästen halb voll übrig geblieben… VIP klingt aber besser. 😉 )

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