Chillen auf der Insel

Die Nacht war ok. Das Bett war sicher nicht das beste auf dem ich bisher geschlafen hatte, aber ich wurde zumindest nicht von Insekten aufgefressen.

Der Tag begann dann mit einem Frühstück, bestehend aus Müsli mit Früchten und Joghurt.  Danach ging es wieder in die Hängematte oder kurz schwimmen.
Mittagessen gab es zusammen mit den Mädels an einem Restaurant welches Papaya-Salat für 1$ zubereitete. Dazu gab es Bratreis mit Shrimps und eine Kokosnuss.

Eigentlich verlief der Tag wie der gestrige. Einziger Unterschied war, dass es diesmal beim Abendessen anfing zu regnen. Erst tröpfelte es nur leicht, doch ein paar Minuten später schüttete es wie aus Kübeln. Durch das Restaurant lief ein kleiner Rinnsal. Die Hunde der Familie wollten da natürlich auch lieber drinnen als draußen sein, und lagen überall unter den Tischen.

Der Tag endete mit einem Spaziergang am Strand im dunkeln, wo wir das leuchtende Plankton beobachteten. Ich wollte diesmal nicht ins Wasser, da ich frisch geduscht war. Appropos…. Duschen ist natürlich so eine Sache. Da die eigentliche Dusche nur ein Rinnsal war, blieb als alternative nur die Buket-Shower. D.h. man schöpft Wasser aus einem großen Fass. Erschwerend kam hinzu, dass es nur eine Glühbirne im Hauptraum gab, das “Bad” also recht schnell stock dunkel wurde. Aber die Glühbirne war eh nur partiell einsatzbereit, denn dazu musste der Generator laufen.
Inselromantik hin oder her, eine richtige Dusche, und ein Zimmer ohne Mitbewohner und Ventilator ist mir dann doch lieber.

Nach dem Plankton-Gucken bestaunten wir noch die Blitze am Horizont und den Sternenhimmel, der anders aussieht als zu Hause. 

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Robinson Crusoe

Als ich am Morgen alles gepackt hatte, war ich doch recht hungrig. Die Kekse aus meinem Rucksack halfen da auch wenig. Also nahm ich den Roller und fuhr schnell zum Krabbenmarkt. Dort standen viele kleine Essensstände an denen gebrutzelt wurde. Ich verspürte aber keine Lust auf Bratreis mit Fisch zum Frühstück. Zwei Frauen jedoch, brutzelten eine Art frittierten Kuchen. Abgesehen von der nicht unerheblichen Menge Öl war das ganz ok. Ich bestellte 4 Stück für 50Cent und holte mir noch einen Kaffee für 50 Cent, setzte mich aufs Moped und fuhr zurück. Mein Frühstück nahm ich dann in einer Hängematte vor dem Hotel ein. Der Kuchen war wohl ein süßer Reiskuchen der in Öl frittiert wurde.

Danach ging es mit den TukTuk zur Fähre. Mich wunderte es schon, dass mein Shuttle bereits mit 2 Backpackern und deren Rucksäcken besetzt war. Aber in SüdOstAsien hat man eine andere Vorstellung von “Voll/Überladen”. Also wurde ich als dritte Person im TukTuk untergebracht – muss man halt sein Gepäck ordentlich festhalten.

Am Steg angekommen wurden wir zur Polizei geschickt um ein Formular auszufüllen. Ich witterte Betrug und Abzocke und lief statt dessen direkt zum Boot. Leider kontrollierte dort ein Polizist, dass wir alle in den Listen eingetragen waren, also musste ich zurück und einen Zettel ausfüllen. Geld wollten die zum Glück nicht.

Auf dem Boot unterhielt ich mich mit einer Britin die erzählte, dass sie zwei Uniabschlüsse (Bachelor) hätte: Einen in Astrophysik und einen in Tourismus. Wenn das stimmt, dann ist das eine gute Ausgangsbasis für einen Job im Bereich Weltraumtourismus.

Die Boote legen auf der Kaninchen-Insel direkt am Strand an, 20 m vor den Bungalows. Ich schaute mir zwei an und entschied mich für das mit Toilettensitz. Dafür bezahle ich hier 6$ pro Nacht. Strom gibt es nur tagsüber, Fließend Wasser gar nicht. Wenn ich duschen will, muss ich auf der Rückseite des Bungalows den Wasserhahn auf drehen und die Chefin bitten, den Haupthahn zu öffnen. Ein Waschbecken gibt es nicht. Wichtigstes Utensil ist das Moskitonetz über dem Bett. Als ich es genauer betrachtete saßen da geschätzte 20 Moskitos drauf. Bevor ich also das Netz entfalte, musste ich den Biestern den Gar aus machen. Die Chefin hatte eine chemische Keule zur Hand und ich sprühte die Bude ordentlich aus. Am (unverglasten) Fenster konnte ich eine Minute später flüchtende Moskitos sehen. Ich sprühte außerdem auch die Ecken aus, die plötzlich zum leben erweckten. 5 Kakerlaken rannten um ihr Leben.
Nach diesem Gemetzel ist die Fauna im Zimmer nun wieder erträglich.
(Meine Hütte ist die Kleine hinten rechts)

Ich ging dann kurz ins Wasser und setzte mich dann unter einem Pavillion in eine Hängematte. Dort schaukelten schon 2 Mädels und lasen. Die eine, Rubina, ist eine in Deutschland geborene Schwedin, die andere Edit, eine zuletzt in Berlin wohnende Ungarin. Wir unterhielten uns etwas und es stellte sich heraus, dass beide in Cafes gearbeitet haben. Edit denkt sogar darüber nach in Kambodscha eines auf zumachen und hier zu bleiben. Zufälle gibt es.
Wir verbrachten den Tag gemeinsam in den Hängematten, nur kurz unterbrochen vom Mittagessen und kurzem Schwimmen.

Ich traf einen alten Bekannten auf der Insel: Tony, den Triathleten. Da die Mädels auf extrem niedrigen Budget reisen und außerdem Vegetarier sind, gesellte ich mich für das Abendessen zu Tony. Am Tisch saßen noch zwei Holländer und Tony holte noch zwei Französinen, eventuell Mutter und Tochter, hinzu. Die Jüngere hatte in Deutschland Kulturwissenschaften studiert und sprach gut Deutsch. Beim Abendlichen Krabben-Essen stellte sich heraus, dass Tony nicht irgend ein Triathlet war. Er war Teil der französischen Nationalmannschaft und bei zwei Olympiaden dabei. Ob er ein Weltmeister oder Olympiasieger war, weiß ich nicht. Jedoch war er noch bis vor 2 Monaten aktiv und dies war sein erster Urlaub seit 7 Jahren wo er nicht mit dem Fahrrad unterwegs ist.

In der Bar hatte man zwar eine Soundanlage, jedoch hatte man keine Musik. Die Chefin fragte alle die vorbei kamen nach Musik. Da niemand sonst reagierte nahm ich mein Handy und beschallte den Strand mit Mashups (Dj Morgoth, Best of 2013).

Als es ans bezahlen ging, kam kurz Panik auf, als ich meine Geldbörse nicht finden konnte. Sie lag jedoch, schwarz auf schwarz, auf meinem Rucksack.

Das Highlight des Tages sollte aber noch kommen. Als die Chefin das Licht ausmachte, fragte sie vorher noch, ob wir schon das Plankton gesehen hätte. Die Mädels hatten etwas von leuchtendem Plankton erzählt und ich erwartete helle Schlieren auf dem Wasser. Es war jedoch viel besser:
Das Plankton leuchtet wenn es verwirbelt wird. Die Wellen, die an den Strand branden leuchten ganz leicht. (Zu schwach für meine Kamera). Wenn man mit der Hand durch das Wasser streift, sieht man einen Feuerschweif hinter seiner Hand. Noch besser aber ist es, wenn man schwimmen geht. Das Licht war aus, also wurde schnell abgelegt und ins Wasser gesprungen. Überall funkelte es. Wenn man still stand sah man nur einzelne Lichtpunkte. Wenn man dann den Fuß unter Wasser bewegte, leuchtete dort Wasser auf. Bewegte man den Arm, zog man die Feuerschweife hinter sich her. Man konnte wie Harry Potter “Feuerbälle” verschießen. Wenn man mit den Fingern schnippste, schwebten kleine leuchtende Wirbel davon. Das war wirklich ein Highlight.

Wo der Pfeffer wächst

Heute früh ging es mit dem Bus nach Kep. Fast schon Tradition ist, dass mich das Shuttle beim Frühstücken unterbricht. Die Fahrt sollte aber interessant werden. Als der endgültige Bus dann bestiegen war, setzte sich ein Khmer neben mich. Die erste Hälfte der Fahrt sprachen wir kein Wort. Irgendwann wollte ih aber die Chance nutzten und ihn über Baupreise und Gebäude ausfragen. Ich fragte nur woher er kam und er erwähnte, dass er ein Bauunternehmer aus Kep ist. Volltreffer! Später sollte sich heraus stellen, dass er der Neffe des Gouverneurs von Kep ist.
Luy erzählte mir von anderen Europäern die in Kep investiert haben und welche Bauvorhaben gerade am laufen sind. Er bot mir an ein paar Baustellen und Bauplätze in Kep zu besichtigen. Das nahm ich gern an. Außerdem hatte ich damit auch gleich meinen Transfer vom Bus zum Hotel organisiert.

In Kep stiegen wir aus und liefen zur Zollbehörde, die auch von der Familie geleitet wird, um dort sein Auto abzuholen. Danach fuhren wir ins Seaside Guesthouse. Laut meinem Reiseführer haben die günstige Dorms. Dummerweise wurde die Unterkunft vor kurzem modernisiert und alle Dorms in Doppelzimmer umgebaut. Ich gönne mir nun eine Nacht hier für 14$ bevor ich morgen auf die Rabbit-Island weiter ziehe.

Wir machten dann eine Tour zu verschiedenen Bauplätzen. Erst ein kleiner an einer Straße der wohl mal ein Minimarkt werden könnte. Dann fuhren wir zu einem Baufeld mit 4 abgesteckten leeren Segmenten. 3 davon seien verkauft und würden ein Hotel abgeben. Das letzte (1300qm) Feld könnte man für 140.000 USD kaufen. Nebenan hätte der Besitzer ein Wochenendhaus gebaut. Luy schaute um die Ecke und entdeckte den gut beleibten Eigentümer unter einem Baldachin beim Mittagessen. Wir wurden einander vorgestellt und erhielten die Erlaubnis auch das Haus zu besichtigen, welches Luy gebaut hatte. Ich erhielt weiterhin seine Email Adresse um Informationen, falls nötig, zum Grundstückskauf zu erhalten.
Danach fuhren wir noch zu einer aktuellen Baustelle weiter weg von der Küste. Eine Bungalow-Anlage mit (noch zu bauenden) Swimmingpool. Ich konnte nicht verstehen wieso man in so einer Lage baut. Vermutlich etwas für Spekulanten.
Letzte Station war das beste Hotel am Platz, bzw. das Hotel mit der besten Lage. Es steht ebenfalls zum Verkauf – für schlappe 1,5 Mio Dollar. Falls die Zahlen stimmen kann das durchaus ein guter Kauf sein. Die Besitzerin ist Französin und arbeitet in der Botschaft in Phnom Penh. Als Sie vor 6 Jahren das Grundstück gekauft hat, muss sie ein echtes Schnäppchen gemacht haben.

Luy fuhr mich dann ins Hotel wo ich mich verabschiedete. Ich wollte ein Moped leihen und hatte Luy nach dem Preis gefragt (5$). Als man mir im Hostel eines für 8$ anbot und meinte es gäbe nichts billigeres, entschied ich mich am nächsten Tag die Fähre auf die Insel zu nehmen und die Unterkunft zu wechseln. Da mir das Bargeld ausging und es auf der Insel keinen Geldautomaten gibt, wollte ich noch Geld holen. Laut Rezeption ist der einzige ATM aber 15km entfernt. Ich könnte jedoch in einem anderen Hotel gegen Gebühr Geld abheben. Also lief ich hin, nur um zu erfahren, dass der Manager nicht da sei und das deshalb nicht ginge. Aber ich könnte doch unten am Strand Geld holen. Von dem ATM wusste meine Rezeptionistin nichts. Ich mietete mir also für einen halben Tag ein Motorrad, holte Geld, und machte ein paar Bilder von Kep.

Der Ort ist entlang der Küste verteilt und die Straßen sehen eher nach Baustelle aus. Nur entlang des Strands ist alles fertig. Am Hauptstrand waren sehr viele Menschen unterwegs und richtige “Seebad-Stimmung”. Als sich die Sonne senkte, verschwanden die Badegäste aber und es wurde ruhiger. Ich fuhr zum Crab-Market wo ich nun meine erste vernünftige Mahlzeit zu mir nehmen wollte. Es stehen am Markt ca. 10 Restaurants mit nahezu identischer Speißekarte nebeneinander. Ich wählte das etwas günstigere “Demokrat”, welches der Demokratischen Partei der USA gewidmet war. Die Bedienung war sehr zuvorkommend und hilfsbereit. Mit mir waren sonst nur 3 Russen als Gast im Restaurant. Ich bat um eine große Krabbe mit grünem Pfeffer. Das sei nicht möglich, weil sehr viele Gäste heute die großen Krabben aufgegessen hätten. Statt dessen erhielt ich 2,5 mittelgroße Krabben.


In der Nähe von Kep wächst am Fuß einiger Berge Pfeffer. Wenn man also jemanden dahin wünscht wo der Pfeffer wächst, will man ihn scheinbar zum Seafood-Essen nach Kambodscha einladen…. Btw: Laut Luy haben in den Bergen noch bis in die 90er Jahre die roten Khmer gehaust.