Idiotie General

Heute früh ging es gegen 8 Uhr los. Jimmy war noch nicht aufgetaucht, also wollte ich etwas lesen. Da meine Bücher ausgelesen sind blieb nur mein neuer Kambodscha Reiseführer übrig. Nach einigem Suchen musste ich mir eingestehen, dass der Reiseführer verschwunden war. Eventuell hatte ich ihn in einem Restaurant oder Minimarkt liegen lassen. Lange Zeit zum grübeln blieb nicht, da der Fahrer wartete.

Wir fuhren als erste Station des Tages zu den Killing Fields außerhalb der Stadt. Dieser ehemalige chinesische Friedhof und Obstgarten ist heute die nationale Gedenkstätte für die Opfer der Roten Khmer. Zu sehen gab es die Löcher der Massengräber, Knochen und Kleidungsfetzen die noch heute nach stärkeren Niederschlägen ausgespühlt werden und eine riesige Pagode die gefüllt ist mit knapp 9.000 Schädeln und Knochen von Opfern die auf dem Gelände ermordert und verscharrt wurden. Erschütternd war auch die Grausamkeit der nächtlichen Hinrichtungen die, um Munition zu sparen, von Hand mit Hacken, Äxten und Macheten erfolgte. Babys wurden an einem Baum, neben einem Massengrab zerschmettert.


Man konnte hier auch etwas über die Roten Khmer hören, aber so richtig Sinn machte das alles nicht. Die Idee war wohl einen radikalen Bauernstaat zu errichten. Dabei wurden in einem ersten Schritt alle Intellektuellen (d.h. jeder der Studiert hatte oder eine Fremdsprache sprach oder auch nur eine Brille trug) eingesperrt oder getötet. Alle anderen Stadtmenschen mussten aufs Land und ohne Anleitung oder Werkzeug Reis anbauen. Reisanbau war sowieso das Allheilmittel der RK. Da das Plansoll aber viel zu hoch war, konnte es nicht erreicht werden, wodurch wieder Menschen als Saboteure verhaftet, gefoltert und getötet wurden. Das idiotische an der gesamten Philosophie war sowieso, dass die RK eine Zukunftsvision verfolgten, die mehr dem Leben in der Steinzeit entsprach, als dem Leben im 20Jhdt. Alle Menschen lebten von der Hand in den Mund, mussten ohne Werkzeuge ihre eigene Nahrung anbauen, besaßen nichts außer den Kleidern am Leibe und hatten nichts zu lachen. Selbst die Kommunisten und sogar die Nazis verfolgten eine Vision wo die Mitglieder des eigenen Volkes ein besseres Leben haben sollten – auch wenn beide Male das ordentlich gegen die Wand ging. Die Roten Khmer hingegen gaben ähnliche Parolen aus, unternahmen jedoch keinen einzigen sinnvollen Schritt in diese Richtung. Statt dessen begannen sie vom Tag 1 an mit der Zerstörung des eigenen Landes.

Wir fuhren zurück in die Stadt und Richtung S21, einer Schule welche als Gefängnis und Folterkeller für die RK diente. Bevor wir rein gingen, wollten wir noch etwas essen. Unser Fahrer empfahl uns ein Restaurant wo alle Gerichte bei 4,5$ anfingen. Wir waren nicht überzeugt und liefen zum Ende der Straße und 30m nach links. Dort bekamen wir Essen ab 1,25$ was schmeckte und sogar eine Bedienung die flüssig englisch sprach.
Danach ging es in die S21. Die S21 war berüchtigt, denn es war eines der grüßten Gefängnisse. Zum Zeitpunkt der Befreiung durch die Vietnamesen lebten nur noch 7 Gefangene. Die restlichen waren noch auf den Killingfields getötet worden. Die Gefangenen wurden schlechter als Tiere behandelt, denn welches Haustier wird schon täglich geschlagen und gefoltert, erhält keinen Ausgang, kaum Nahrung und lebt in einem 3qm großen Beton-Stall? In den ehemaligen Klassenzimmern standen Metallbetten an denen die Gefangenen mit Stahlbügeln befestigt wurde um gefoltert zu werden. An den Decken einiger Klassenzimmer sah man noch Blutspritzer.


Wir hatten recht viel Zeit in den Gedenkstätten verbracht und es war nun schon 15Uhr. Wir mussten uns entscheiden, was wir zuerst sehen wollten. Wir fuhren zum Königspalast und zur Silbernen Pagode die auf dem Gelände des Palasts steht.
Der Königspalast ist ein großes Areal mit vielen verzierten Gebäuden. Der Palast selbst war nicht zugänglich, man konnte aber durch die geöffneten Fenster einen Blick hinein werfen. Auch die anderen Gebäude waren geschlossen, so dass wir recht schnell Richtung Silberpagode weiter liefen. Leider durfte man dort nicht fotografieren. Den Namen erhielt die Pagode, da ihr Fußboden mit Fliesen aus Silber ausgelegt ist. Doof war nur, dass diese Fließen von roten Teppichen verdeckt wurden. Dadurch sah die Pagode genauso aus, wie die hundert anderen im Lande auch. Einzig ein 90kg schwerer goldener Buddha der mit Diamanten verziert war, machte eine Ausnahme. Die Außenansichten boten die besseren Motive.


Es war nun kurz nach Vier und wir entschlossen uns, auch wenn es dem TukTuk Fahrer nicht gefiehl, noch zum Russenmarkt zu fahren. Der hieß so, weil in den 80ern dieser Markt von den Russen beliefert wurde und waren aus dem Ausland dort gekauft werden konnten. Auch heute ist der Markt noch einer der großen in der Stadt. Ich fand dort ein paar einfache NoName Kopfhörer, welche mir die Verkäuferin empfahl, nachdem ich mich über die Qualität der “beats” Kopien beschwert hatte. Außerdem fand ich weiße T-Shirts. Wir aßen dann noch an einem Stand gekochte (Meeres-)Schnecken (1 Teller, 5000 Riel) die wir mit Zahnstochern aus den Gehäusen popelten. Eine nette Frau am Stand half den ahnungslosen Fremden aus den angebotenen Gewürzen einen sehr schmackhaften und scharfen Dipp zu zaubern.


Wir ließen uns dann zurück ins Hotel fahren wo der Fahrer bezahlt wurde. Er hatte so lange rumgeningelt und Jimmy ein schlechtes Gewissen gemacht, dass er am Ende 4$ mehr bezahlte als abgemacht, was selbst den Fahrer überraschte. (Ursprünglich hatte Jimmy den Wagen für 15$ gemietet. Da ich mit gefahren bin, wollte er mehr. Wir einigten uns auf 24$ insgesamt, was in anbetracht des Einkommens einer Bedienung von 3$ p.T. doch sehr ordentlich ist.)

Wir liefen dann noch zum Restaurant in dem wir gestern abend gegessen hatten, weil ich vermutete, dass dort der Reiseführer liegen geblieben war. Dem war wohl nicht so, aber Kambodscha ist zum Glück das Land in dem Copyright unbekannt ist. Deshalb verkaufen Straßenverkäufer illegale Kopien von Büchern wie z.B. den Lonely Planet. So hatte ich für gut 4$ einen neuen Reiseführer der auch noch aktueller war.

Wir liefen dann am Mekong hinunter und fanden ein günstige Restaurant mit “Skybar”. Das besondere war, dass es keinen Aufzug gab, sondern Gäste und die Bedienungen mit dem Essen die 4 Stockwerke zu Fuß gingen. Die Bedienungen hatten sicherlich kräftige Oberschenkel.

Der Bus nach Kep ist gebucht. Morgen früh geht es an die Küste Kambodschas.   

Advertisements

Auf in die Hauptstadt

Um sieben war heute Abholtermin Richtung Fähre. In der Nacht hatte es stark geregnet und eine Finnin aus meinem Zimmer wartete seit 6 Uhr auf ihren Bus. Bei mir klappte alles wie geplant. Einzige Überraschung war, wie viele Leute in den kleinen Bus Platz nehmen können. (Es gab noch kleine Klappstühle die den Gang ausnutzten.)

Das Boot war eher ein Expressboot als eine Fähre. Es zog mit hoher Geschwindigkeit über den Spiegel glatten See. Wir kamen wie erwartet an den schwimmenden Dörfern vorbei und konnten so ein paar Bilder machen. Am Ende des Sees standen dann noch Dörfer auf Stelzen. Die Fahrt verlief ansonsten recht Ereignislos. Mein Platznachbar stellte sich als ehemaliger Profi-Triathlet heraus, der mittlerweile als Lehrer an einer Sportschule arbeitet.



Nach 5h, also gegen 14Uhr erreichten wir Phnom Penh. Am Bootsanleger warteten schon TukTuks auf Kundschaft. Mit etwas Verhandlungsgeschick konnte ich den Fahrer auf 3$ drücken, was wohl immer noch zu viel war. Aber so war ich wenigestens schnell da.

Als ich das Hostel betrat (Me Mates Guesthouse), begrüßte mich Jimmy. Er hatte eine schlechte Fahrt mit 5h Verspätung und extra Kosten im Bus hinter sich. (Er war am Abend bereits losgefahren und erst 11Uhr in PP angekommen.) Ich checkte ein und dann ging es gemeinsam auf Tour. Zuerst wollten wir Richtung Nationalmuseum. Da ich noch nichts gegessen hatte, hielten wir an einem Straßenlokal (mit WiFi!) in welchem wir für 2500Riel Bratreis bekam und wir dann noch zwei Eiskaffee für 4000Riel tranken. In Summe knapp über 1,5$.

Im Museum angekommen bezahlten wir artig Eintritt. Im inneren gab es Guides für 6EUR zu kaufen. Also nahm ich einen und wollte mit Jimmy teilen. Anstatt eines Handgerätes stand plötzlich eine Frau vor uns. Wir hatten somit eine persönliche Führung, leider konnte man nicht alles verstehen.

Wir konnten dann, trotz Fotografierverbot noch ein paar Bilder machen. Danach kamen wir noch an der Pagode Wat Ounalom vorbei, welche sehr groß aber ansonsten nicht sehr beeindrucken war.

Wir liefen weiter und wehrten die, gefühlt, hunderten TukTuk Fahrer ab die uns fahren wollten. Einer der Fahrer schlug uns vor zum Wat Phnom zu fahren um dort den Sonnenuntergang zu sehen. Wir fanden die Idee gut, wollten aber lieber laufen. Auf dem Weg zum Tempel sahen wir den Nachtmark der gerade aufgebaut wurde.

Am Wat Phnom gab es nicht all zu viel zu sehen und wir entschlossen uns zum Zentralen Markt Psar Thmei zu laufen. Dort angekommen konnten wir noch ein paar Minuten lang durch die Gänge wandern, denn der Markt schloss gerade. Ich kaufte dann noch am 100g Jackfruit am Obststand, was gar nicht so einfach war, denn die Frau verstand nicht, dass ich kein Kilo kaufen wollte.

In meinem Guide, den ich von Sonja geerbt hatte, stand, dass ein Nachtmark westlich vom zentralen Markt zu finden sei. Wir liefen dort hin, fanden aber nichts. Auch die Fahrer dort wussten nichts von einem Nachtmarkt, außer jenem welchen wir auf den Hinweg auch gesehen hatten.
Wir entschlossen da hin zu laufen um etwas zu Essen zu finden.

Der Markt war interessant, da im “Essensbereich” mit den Garküchen Teppiche ausgelegt waren wo gegessen werden konnte. Wir fanden aber an allen Ständen nur das gleiche uninteressante Essen, und entschlossen am Mekong Ufer entlang nach Hause zu laufen und auf dem Weg nach Restaurants zu suchen.

Nach mehreren erfolglosen Versuchen fanden wir ein günstiges Restaurant. Das Essen war ok, aber hatte einen indischen Touch. Da auf der Karte auch indische Gerichte waren, gehe ich davon aus, dass der Koch Inder war.

Anschließend ging es zurück ins Hotel wo erstmal duschen auf der Tagesordnung stand. Morgen wollen wir die Standrundfahrt machen und uns auch die Killing Fields der Roten Khmer anschauen.