Verregneter Strandbesuch

Als ich Vish gegen 10Uhr anrief, war er gerade erst aufgeweckt. Er hat mit dem Jetlag mehr zu kämpfen als ich. Ich nutzte die Zeit meine Blogs und Mailordner auf Vordermann zu bringen.

Gegen 12 mieteten wir uns wieder 2 Scooter und hatten als Ziel den Strand Thuan An im Nordwesten der Stadt. Auf dem Weg sah man schon die dunklen Wolken am Himmel und als wir dem Ort Thuan An näher kamen fing es an zu regnen. Wir stellten unsere Scooter an einem Restaurant unter und ich machte etwas Business Consulting mit Vish der ein gut laufendes kleines Visa-Unternehmen hat.

Als der Regen langsam nachließ fuhren wir weiter. Es nieselte nur leicht was erträglich war. Die Route war weitestgehend “immer gerade aus”. Als wir dann zur Beach Bar Hue abbogen kamen wir an einem riesigen Friedhof vorbei der sehr interessant aussah.

Der Friedhof bestand aus großen “Familiengräbern” – jedenfalls deutet die größe darauf hin. Es könnte allerdings auch sein, dass die Gräber für Reiche oder wichtige Einzelpersonen angelegt waren. Der Aufbau ähnelte, wenn auch 1000x kleiner, denen der Königsgräber. Hier ein paar Eindrücke:​

​Danach ging es in die Beach Bar. Die Anlage selbst war auf einfachen aber coolen Touristenstandard mit Palmdächern und mehreren Bars und Tischen im Sand. Der Strand war breit und aus Sand. Einziges Problem war, dass das Wetter nicht recht zum Strand passen wollte.​

Wir gingen trotzdem schwimmen, denn das Wasser war sehr warm. Die Wellen waren allerdings sehr stark und das Wasser enthielt viel Sand. Wir aßen dann etwas (auch weil der Eintritt von 100.000Dong von der Barrechnung abgezogen wurde) in der recht teuren Bar (Touristenpreise).

Da es immer wieder regnete warteten wir so lange wie möglich mit der Rückfahrt. Gegen 17:30 mussten wir dann aber los, regen oder nicht, denn es wurde dunkel. Die Rückfahrt war schon etwas stressig, denn die Entgegenkommenden Fahrzeuge leuchteten mit ihren Scheinwerfern mehr in die Augen als auf die Straße. Nach 40Minuten und Google-Maps support waren wir zurück am Hostel und gingen dann noch etwas essen. Vish hatte dann noch etwas für die Firma zu tun, und ich musste auch noch ein paar Rechnungen schreiben also verabredeten wir uns für den folgenden Morgen wo wir mit einem Auto nach Hoi An chaufiert werden und entlang der Strecke fotos machen und baden gehen wollen. (Kostenpunkt 75$ gesamt)

Advertisements

Pagoden und Königsgräber in Hue

Gegen 10 Uhr mieteten Vishal und ich uns zwei Scooter und ließen uns den Weg zu den Pagoden und Königsgräbern im Umland von Hue erklären. Die Könige der Nguyen Dynastie ließen große tempelartige Gräber anlegen in denen man ihnen nach ihrem Ableben huldigen konnten und die auch das (symbolische) Grab des Herrschers enthielten. (Ob die Könige wirklich dort begraben liegen ist mir unklar. Da sie mit Gold etc. beerdigt wurden und Grabräuber sonst sicherlich zugeschlagen hätten.)

Nachdem wir für 5EUR die Motorräder vollgetankt hatten fuhren wir los. Als wir an einer Kreuzung anhielten um die Karte zu checken hielt eine Vietnamesin neben uns und fragte ob wir zu den Gräbern wöllten. Sie würde in der Nähe wohnen und wir könnten einfach hinter ihr her fahren. Gesagt getan. ​

Als wir am Grab des letzten Königs (Khai Dinh) ankamen bedankten wir uns artig und sie klärte uns auf, dass sie es lieber hätte wenn wir weiter zu ihrem Dorf fahren würden. Es zeigte sich dass sie Geld wollte. Wir stellten uns dumm bedankten uns artig gaben ihr etwas Kleingeld und gingen in die Pagode.

Khai Dinh war kein besonders guter König. Das zeigte sich z.B. daran, dass er zum Bau seines Grabs die Steuern im Land um 30% anhob. Weiterhin war er nur eine französische Marionette und trug zu Lebzeiten nicht viel zu Vietnams fortkommen bei. Ich schätze ihm war dies bewusst und deshalb wollte er zumindest ein erstklassiges Grab hinterlassen. 

Über eine große Freitreppe betritt man die mehrstufige Anlage aus schwarz gefärbten Beton. Am oberen Ende befindet sich das europäisch inspirierte aber asiatisch verzierte Hauptgebäude mit dem Altar für den König. Das Innere ist die am prächtigsten Dekorierte von allen. Es wurde Glas und Keramikscherben benutzt um die Wandreliefs zu dekorieren.

​Wir fuhren dann weiter zu Pagode von König Minh Mang. Dieser König war tatsächlich einer der wichtigen früheren Könige. Er gab sich mit einer flächenmäßig größeren aber weniger prunkvoll ausgestatteten Pagode zufrieden. Sein Grab ist mehr eine Parkanlage mit Seen und künstlichen Hügeln. Wie in allen Königsgräbern findet man auch da an zentraler Stelle einen großen Grabstein (Format ca. 4m x 2m) welche das Leben und die Taten des Königs beschreiben. Danach folgt ein Altargebäude und später das eigentliche Grab.​

​Als wir mit der Besichtigung fertig waren begann es zu Regnen. Wir warteten den Schauer im Tempel ab und fuhren dann zurück Richtung Hue. Vish hatte ein wichtiges Telefonat zu führen und fuhr ins Hotel, ich fuhr allein weiter Richtung Grab des Tu Doc. Er war der Herrscher der am längsten regierte. Sein Grab war ebenfalls eine Parkanlage mit künstlichem See + Insel. Allerdings nutzte er diese Anlage zu Lebzeiten auch als Zweitpalast bevor er ihn zur Grabanlage umbauen ließ. In der Anlage liegt auch das Grab seiner Frau und eines zweiten weniger wichtigen Königs.​

Die eigentliche Grabanlage folgt den traditionellen Architekturregeln am Besten. Nachdem man leicht ansteigende Treppen hinauf gegangen ist, kommt man zum Grabstein der in einem Gebäude mit zwei benachbarten Türmen steht. Dahinter liegt ein mondsichelförmiger See und auf einer weiteren Anhöhe das eigentliche, sehr schlichte Grab.​

​​​

Der Altar zur Huldigung des Königs liegt im ehemaligen Palast rechts vom Grab. Dort ausgestellt waren auch einige Spiele die zur damaligen Zeit gespielt waren. Eines war ein Geschicklichkeitsspiel bei dem lange dünne Holzstäbe auf den Boden geworfen wurden und so abprallen mussten, dass sie in ein Gefäß von der Form einer Blumenvasen springen.

Gegen 16Uhr fuhr ich zurück nach Hue und traf mich mit Vishal in einem kleinen Restaurant. Nach einem verspäteten Mittagessen fuhren wir zur Thien Mu Pagode, welche auf der Zitadellenseite des Flusses liegt. Wir kamen dort an während es bereits dunkel wurde. Die Pagode fällt durch ihren hohen 8 stöckigen Turm auf, der wohl die 8 menschlichen Inkarnationen des Buddha repräsentieren soll.​

Wir fuhren zurück ins Hostel und gingen nach einem Drink ins benachbarte DMZ Restaurant welches in einem seltsamen Vietnamkrieg-Kitsch Look dekoriert war. Dort trafen wir zwei Australierinnen mit denen wir den Abend mit Buy-One-Get-One-Free Mojitos verbrachten. 

Besichtigung der Zitadelle in Hue und Treffen mit Vishal

Ich fuhr mit dem 4Uhr, naja 4:30Uhr, Bus nach Hue weiter. Der Bus kam gegen 8Uhr in Hue an. Am Ausstieg (ein Hostel namens Google!?) traf ich zwei Bekannte aus SaPa wieder und wir tauschten uns kurz aus. 30Min später waren sie mit dem Bus auf den Weg gen Süden. Ich brauchte jedoch erstmal ein Hostel.Ich nutzte die Zeit am Busstop um eines zu recherchieren. Ich lief dann los und kam in einem Hotel mit Pool an (sowei die Beschreibung). Allerdings hatte ich auch gelesen, dass die Hotelliers einem mehr oder weniger mit ihren Touren terrorisieren und sauer werden, wenn man wo anders bucht. Das und die Tatsache, dass der Schlafsaal in der 4ten Etage ohne Lift lag und das kein einziger sonstiger Backpacker dort war rieten mir weiter zu suchen. Ich war dann im Hue Homestay in einer Seitenstraße wo man mir direkt Früchte und Kaffee anbot. Eigentlich wollte ich schon buchen aber dann ließ ich mir die Zimmer zeigen. Die waren auch in der 4ten Etage und die Toilette/Bad war ebenso unterdurchschnittlich. Also lief ich weiter und checkte im Hue Backpackers ein. Das Hostel ist sehr gut besucht, bietet eine Menge HappyHour artige Angebote und gute Beratung. Das Problem ist, dass es ein Partyhostel ist, bzw. in einer Partygegend liegt. D.h. es ist nicht besonders leise.

Gegen 10 Uhr schaffte ich es dann mich auf den Weg zu machen. Ich machte jedoch zuerst einen Stop bei einem Restaurant was mir eine Mitarbeiterin des Hostels empfohlen hatte. Dort gab es die traditionelle Suppe aus Hue für gutes Geld. Noch besser war, dass es einen Fruchtshake dazu für 15k Dong gab.​​​

Ich lief dann über die nahegelegene Brücke auf die andere Seite des Flusses. Ich musste auf dem Weg mehreren Rikscha- und Motoradfahrern erklären, dass ich lieber laufen wollte, was bei der schwülen Hitze durchaus erklärenswürdig war. ​​

Der Eintritt zur Zitadelle kostet 150k Dong, was bisher das teuerste Ticket auf der Reise war. Die Zitadelle ist mehrere Hektar groß und bestand aus Regierungsgebäude sowie einer, heute leider zerstörten, verbotenen Stadt (Privatresidenz des Königs). Hue war der Regierungssitz von Vietnam bis zum Ende des 2WK.

Man betritt die eigentliche Zitadelle über eine kleine Brücke und ein Tor in der Mauer. Dahinter findet man die 9 heiligen Kanonen – 4 bzw 5 pro Tor. Diese Kanonen wurden im 19Jhdt aus den Waffen einer besiegten Armee gegossen und symbolisierten die Verteidigungskraft des Vietnamesischen Königreichs. Dann ging es zum eigentlichen Haupteingang in den Regierungsbezirk. Drei Brücken führen zu einem großen Tor mit 3 Durchgängen. Der jeweils mittlere war reserviert für den König.​

Dahinter lagen zwei Karpfenteiche durch die der Königsweg weiter führt. Über einen großen Platz geht man dann auf die Empfangshalle des Königs zu, welche mit ihrer Längsseite zum Besucher steht. Anders als z.B. in europäischen Kirchen, liegt die Hauptseite der Gebäude an der Längsseite. Die Wände waren so gebaut, dass sie geöffnet werden konnten und man so eine riesige repräsentative Front hat. Das Gebäude wurde vor einigen Jahren anhand von Fotos und Filmaufnahmen rekonstruiert. Die 80 holzernen Säulen im Inneren sind rot gold lackiert (mit einem traditionellen dicken Lack der in Vietnam auch für diverse Souveniere benutzt wird).​

​Dahinter lag zur Rechten der Lesepavillion und dahinter ein paar Gärten. Im hinteren Zentrum des Regierungsbezirks lag die Verbotene Stadt, die Privatgemächer des Königs. Diese sind seit dem Vietnamkrieg komplett zerstört und nur noch als Fundamente zu sehen.​

Links davon liegt ein Tennisplatz der echt deplaziert wirkt. Jedoch steht eine Tafel davor die erklärt, dass der letzte König von Vietnam an Sport interessiert war und dies einer seiner 3 Tennisplätze in der Zitadelle war.

Weiter links finden sich die Gemächer der Königin Mutter, welche ein eigenes Empfangshaus besaß. In einem Nebengebäude wird u.a. die Rikscha der Königinmutter ausgestellt. Diese war mit Perlmutarbeiten verziert und wurde über eine Versteigerung aus Frankreich zurück geholt.​​


In der linken vorderen Ecke der Zitadelle befindet sich einer der schönsten Teile der Zitadelle. Dort wurden traditionell die alten Könige verehrt. Die Kommunisten ergänzten die reiche der 6 dort verehrten Könige um die 3, welche bekanntermaßen nationalistisch und gegen die französischen Besatzer waren. (9 ist eine Glückszahl in Vietnam, deshalb auch die 9 Kanonen am Eingang.) In diesem Teil findet man auch die 9 großen Urnen die jeweils einem König gewidmet sind.​

​Ich war 6h lang unterwegs und echt fertig. Ich glaube auch zuwenig getrunken zu haben, denn ich bekam langsam Kopfschmerzen und machte mich zurück auf den Weg zum Hostel. Unterwegs kaufte ich mir Wasser, etwas Mango (solche Obstverkäufer sieht man überall an den Straßen. Sie schneiden das Obst auf und man bekommt eine kleine Tüte mit den Früchten und einen Zahnstocher zum essen).

Vischal, ein befreundeter Londoner Unternehmer den ich seit ein paar Monaten kannte und in Berlin getroffen hatte, war nach Hue gekommen und wird die nächsten 1-2 Wochen mit mir reisen. Wir trafen und in meinem Hostel und gingen dann Abendessen mit ein paar Mädels die ich aus Sa Pa kannte. Wir liefen dann noch eine ganze Weile in der Stadt herum. Aber ich war echt Müde, der Nachtbus zeigte Wirkung, und gegen 10 wollten wir zurück laufen. Gerade als es anfing zu regnen. Ich hoffe die nächsten Tage bleiben überwiegend trocken.